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In ihrer 5-Kanal-Filminstallation Alma Mater nimmt die Künstlerin
Kaucyila Brooke den Arkadenhof
der Universität Wien in den Blick. Mit seinen 154 Büsten bedeutender,
ausschließlich männlicher Wissenschaftler der letzten 300 Jahre
stellt dieser eine klassisch männlich dominierte bürgerliche Repräsentationsarchitektur
dar. Der Arbeit liegt von der Künstlerin selbst gedrehtes Material aus
dem Jahr 2006 zu Grunde, einem Zeitpunkt zu dem im Arkadenhof Renovierungsarbeiten
stattfanden. Die Videos stellen verschiedene Perspektiven auf dessen Bild-
und Darstellungspolitik dar und befragen das dort realisierte Verhältnis
von Wissen und Autorität. Zwei Kanäle zeigen Künstlerinnen
und Dozentinnen, die sich diese ehrwürdigen Hallen für ihre Zusammenkünfte
aneignen. In einer fortlaufenden ruhelosen Bewegung dokumentiert die Kamera
sämtliche Büsten und die umgebende Architektur, und exponiert und
entschlüsselt diese als einen Text über Meisterschaft und Autorität.
Dies wird mit einem Video kombiniert, das an die antiken Philosophenschule
des Peripatos erinnert, deren Name auf das Wort für ‚umherlaufen‘
zurückgeht. Die Protagonistinnen gehen neben den Büsten auf und
ab und diskutieren den sich wandelnden Status von Frauen im Bildungssystem.
Ein weiteres Video thematisiert die Renovierungsarbeiten und sichtet dabei
die materiellen Bestandteile der historisch gewordenen Identität der
Institution. Bauarbeiter schichten Steine auf und beladen ein Förderband,
das Geröll vom inneren Bereich des Hofes nach außen auf die Straße
transportiert. Fußgänger passieren die Fassade der Universität,
die mit Zeichen ihrer Fragmentierung übersät ist. Das Setting aus
Projektionen und Monitoren wird um Kreidezeichnungen und -schriftzüge
auf Wand und Boden ergänzt, in denen Brooke mit Diagrammen, Beschriftungen
und Kommentaren auf die Architektur eingeht.
Eine weitere Rauminstallation besteht aus Wandzeichnungen von Sofie
Thorsen und zwei Filmen, die in Kooperation mit Katharina
Lampert entstanden sind.
Der Film Wenn wir da sind (ca. 16 min) zeigt Jugendliche in einer
kleinen Industriestadt der Steiermark. Vor dem Hintergrund von Bergen und
Kleinstadt, in einer Stimmung ausgedehnter sommerlicher Langeweile, sieht
man die Jugendlichen abhängen und ihre Zeit mit Skaten, Baden gehen,
Zusammensein und Herumsitzen verbringen. Die Plätze, die die Jugendlichen
für sich allein durch ihre Anwesenheit einnehmen, haben immer wieder
etwas Urbanes. Dennoch bleibt die Berglandschaft sehr präsent. Auch in
ihrer Kleidung und in den Gesten tauchen Elemente von urbaner Subkultur wie
Graffiti, Skating und Punk auf. Die Jugendlichen scheinen zumeist unberührt
von der Anwesenheit der Kamera, in einzelnen Momenten reagieren sie allerdings
direkt darauf. Es wird deutlich, dass sie sich filmen lassen so wie sie sind,
sich dabei aber gleichzeitig für die Kamera selbst spielen.
Der Film Die Schlacht (2:30 min) zeigt eine andere Gruppe von Kindern
und Jugendlichen aus einer kleinen Ortschaft in Oberösterreich. Im Rahmen
einer Recherche aus dem Jahr 2005 wurden die Kinder zu ihren eigenen Orten
den damit verbundenen Geschichten befragt. Eine Gruppe von Jungen entschied
sich unaufgefordert, den Kampf um eine selbstgebaute Hütte im Wald, der
im Vorjahr stattgefunden hatte, wieder aufzuführen. Das Re-enactment
beginnt langsam, schlägt irgendwann in eine allerdings nicht mehr nur
gespielte Aggressivität um.
Die Wandmalereien beziehen sich auf die Plätze, die die Jugendlichen
als Bühnen für sich einnehmen. Sie setzen sich aus Elementen der
Stadt- und Landschaftsräume, die die Kulisse für die Filme bilden,
zusammen. In ihrer Reduzierung auf schwarzweiße Zeichnungen werden die
Orte abstrakt und austauschbar.