Projekt | Szenarien | Veranstaltungen | Förderer | Information | 2. Ebene | english
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[A fake or a feint is moving your body when dribbling the soccer ball
in such a way that you deceive the defender into thinking you are going
to dribble one way but in actuality you dribble the other. In other words,
you are attempting to unbalance the defender so that they cannot recover
fast enough to catch you as you are dribbling by them.] 1
fake or feint ist der Titel eines siebenmonatigen Ausstellungsprojekts zeitgenössischer bildender Kunst, das in zwei Ladenlokalen im Einkaufszentrum Berlin Carré am Alexanderplatz in Berlin stattfindet. Fünf aufeinanderfolgende Ausstellungsszenarien versammeln dort Beiträge international anerkannter Künstler zum Thema der Markierung. Ein weiteres Szenario findet als Filmprogramm im Kino Arsenal am Potsdamer Platz statt. Die Ausstellungen werden erweitert durch eine Veranstaltungsreihe mit Seminaren, Vorträgen, Performances und Künstlergesprächen. fake or feint findet in Kooperation mit dem Kulturforum Berlin Alexanderplatz e. V. (KFBA) statt und wird vom Hauptstadtkulturfonds gefördert. Eine Publikation, die im Sommer 2009 erscheint, wird das Projekt abschließen.
Teilnehmende Künstlerinnen:
Kaucyila Brooke, Claude Cahun,
Daniela Comani, Keren Cytter,
e-Xplo (mit Jaime Lutzo), Amy
Granat, Tom Holert, Heiko
Karn, Daniel Knorr, Annja
Krautgasser, Katrin Mayer, Eran
Schaerf, Eske Schlüters/Axel Gaertner,
Sofie Thorsen / Katharina Lampert
Veranstaltungsprogramm mit Beiträgen von:
Martin Beck / Johannes Schülein, Elena Esposito, Hanne Loreck, Annette
Maechtel, Performerstammtisch, Markus Rautzenberg, Tim Stüttgen, Michael
Zinganel
Projektteam:
Joerg Franzbecker mit Martin Beck (Kuratoren), Adrian Bremenkamp
(Katalog und Archiv), Bärbel Hartje (Beratung),
Katrin Mayer (Raumkonzeption), Flo Gaertner (Grafische
Gestaltung), Elena Zanichelli (Filmprogramm) und
Bettina Wenzel (Kuratorische Assistenz)
Ausstellungsdauer:
10. Januar bis 25. Juli 2009
Ausstellungsorte:
Einkaufszentrum Berlin Carré am Alexanderplatz, Karl-Liebknecht-Straße
13, Berlin
Filmprogramm: Kino Arsenal 9., 16. und 23. März 2009
Das Markieren ist ein physischer Akt, der eine Oberfläche verändert, wie beispielsweise das Sprühen von Graffiti auf eine Wand. So können Differenzen erzeugt oder sichtbar gemacht werden. Für fake or feint bildet der Begriff der Markierung den Ausgangspunkt zur Frage nach einer Politik der Oberflächen und der Wirkungsweise ästhetischer Taktiken. Über die Bedeutung einer bloßen Kennzeichnung von Orten und Identitäten hinaus geht es darum, Markierungen als Handlungen innerhalb eines beweglichen Geflechts von Elementen zu betrachten.
Der Stadtraum, Körperoberflächen und mediale Bilder sind nicht nur Ebenen, auf denen sich gesellschaftliche Normen und Grenzziehungen manifestieren. Sie bieten zugleich Handlungsmöglichkeiten für marginalisierte Gruppen. So interpretiert Jean Baudrillard in seinem Essay „Kool Killer oder Der Aufstand der Zeichen“ das unvermittelte Auftauchen der Graffitis im New York der 70er Jahre als Fortsetzung der Straßenkämpfe auf der Ebene der Zeichen. Für Debatten über Körper und Geschlecht sind dagegen Praktiken wie Drag und Cross-Dressing zentral geworden. Als Spiel mit Geschlechterkategorien wird diesen ein subversives Potential zugeschrieben. Die Sturmhaube der mexikanischen Zapatistas und ihres Sprechers Subcommandante Marcos wiederum ist ein prominentes Beispiel, mediale Bildregime der Identifikation strategisch zu nutzen und zu unterlaufen. Der Sichtschutz ist hier politische Ikone und zugleich Träger einer überpersonalen Identität geworden.
Gemeinsam ist solchen Taktiken, dass sie Oberflächen besetzen und dabei
Effekte von Sichtbarkeit und der Irritation von Wahrnehmungen nutzen, um Handlungsspielräume
zu erzeugen. Dabei weisen sie aber zugleich eine Unbestimmtheit auf, die ihre
Aneignung durch verschiedenste Akteure möglich macht. Sie bilden in vielfältiger
Weise Bezugspunkte für Felder wie Mode, Kunst, Clubkultur und Film. Je
nach Kontext können sie ihre Wirkungsweise und ihren Sinn verändern.
Die Fragen und Ambivalenzen, die sich damit verbinden, nimmt fake or feint
zum Anlass, Formen der Markierung in unterschiedlicher Weise in den Blick
zu nehmen. Dabei geht es darum, sie im Spiegel gegenwärtiger Kunstproduktion
zu interpretieren und in Szene zu setzen, und die Frage nach ihren Bedingungen
und Potentialen in der Gegenwart zu stellen.
fake or feint ist in sechs aufeinanderfolgende Szenarien gegliedert, die darauf zielen, Konstellationen zu schaffen, in denen künstlerische Arbeiten über inhaltliche wie formale Eigenschaften miteinander kommunizieren. Gezeigt werden Werke international anerkannter KünstlerInnen, die größtenteils eigens für das Projekt entstanden sind. In unterschiedlicher Weise verfolgen sie Formen der Markierung auf Feldern wie Stadtraum, Geschlechterpolitik, Mode, Körperinszenierung, Clubkultur und Entertainment. Die beteiligten KünstlerInnen nutzen dabei die Mittel von Installation, Video und Fotografie bis hin zur ortsspezifischen Intervention.
Eine zweite Ebene im Ausstellungsraum umfasst Elemente eines prozessualen Archivs und Vortragsraums, die sich in variablen Formen der jeweiligen Ausstellungssituation anpassen. Die Gestaltung für diese Ebene übernimmt die Künstlerin Katrin Mayer, deren Arbeit sich mit Fragen von Display und Raum befasst. Sie entwirft ein veränderbares Setting, in dem eine Präsenzbibliothek entsprechender Literatur, Filmen und Anschauungsmaterialien ebenso einen Platz bekommt, wie Wandzeitungen und andere mediale Formate.
Szenario 1 (10. Januar
bis 07. Februar 2009)
Claude Cahun
Eran Schaerf
Szenario 2 (21. Februar bis 21.
März 2009)
Kaucyila Brooke
Sofie Thorsen / Katharina Lampert
Szenario 3 (9., 16. und 23. März
2009)
Ein von Elena Zanichelli und Joerg Franzbecker
kuratiertes Filmprogramm im Kino Arsenal am Potsdamer Platz.
Szenario 4 (04. April bis 03. Mai
2009)
Amy Granat
Annja Krautgasser
Katrin Mayer
Szenario 5 (16. Mai 2009 bis 13.
Juni 2009)
Daniela Comani
Keren Cytter
Heiko Karn
Szenario 6 (27. Juni bis 25. Juli
2009)
e-Xplo mit Jaime Lutzo
Tom Holert
Daniel Knorr
Eske Schlüters/Axel Gaertner
Kontakt:
Joerg Franzbecker
Cell+49/0/171 7484366
office (at) fakeorfeint (dot) org
www.fakeorfeint.org
1 Quelle: Soccer
Success Today – How to play soccer better;
http://soccersuccesstoday.blogspot.com/2007/04/dribbling-what-is-fake-feint-fake-or.html
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Das erste Szenario der Ausstellungsreihe fake or feint zeigt vom 10. Januar bis 07. Februar 2009 fotografische Selbstportraits von Claude Cahun und eine kombinierte Installation von Eran Schaerf. Die Eröffnung ist am 10. Januar 2009 von 19 bis 21 Uhr.
Claude Cahuns (1894-1954) fotografisches Werk war von der Kunstgeschichte lange übersehen worden, bis es in den 80er Jahren wiederentdeckt wurde und vor dem Hintergrund feministischer Debatten ungeahnte Aktualität erhielt. Mitgeprägt von den zeitgenössischen Strömungen des Symbolismus und Surrealismus entfalten ihre Selbstportraits einen einzigartigen Umgang mit dem eigenen Körper, der als Projektionsfläche sozialer Normierungen, eigener und fremder Begehren inszeniert wird. Ihr Spiel mit Verkleidung und Geschlechtermaskerade stellt Fragen nach dem Verhältnis von Blick und Angeblicktwerden, wie es im visuellen Dispositiv des Portraits wirksam wird. Cahun nimmt dabei auf kulturelle Stereotypen ihrer Zeit Bezug, die sie dekodiert, unterläuft und mit einer subtilen, unberechenbaren Expressivität konfrontiert. Die drei ausgestellten Fotoarbeiten aus den 20er Jahren handeln von einer puppenhaften Verkörperung eines traditionellen Weiblichkeitsschemas, dem Verschwinden der Körpersilhouette zwischen verschiedenen sich überlagernden Verkleidungen sowie einem Spiel mit dem Betrachter als erotisiert-artifizielle Gewichtheberin.
Eran
Schaerf bespielt den Ausstellungsraum mit einer kombinierten
Wiederaufführung früherer Arbeiten. Die Installation Voile durchspannt
den Raum mit einer Stoffbahn, deren Verlauf dessen architektonische Grundstruktur
aufnimmt, und schafft so durch eine Geste der Verdoppelung einen zweiten,
halbdurchsichtigen Raum. Sie richtet die Aufmerksamkeit auf die Weise, wie
die Architektur den Raum als eine Bühne für Blicke und Bewegungen
freigibt und damit Möglichkeiten sozialer Interaktion vorgibt und strukturiert.
Als blickdurchlässige Barriere, Vorhang und Schleier eröffnet diese
Markierung ein Spiel der Sichtbarkeit, das die Codierung von Öffentlichkeit
und Intimität durchkreuzt.
Die von Voile geschaffene Raumsituation setzt Eran Schaerf mit der Erzählung
der Sapeur fort, die ihren Ausgangspunkt von der Kleidung als Praxis mit vielfältigen
kulturellen, geschlechterspezifischen und funktionalen Codierungen nimmt.
La Sape (kurz für: La Société des Ambianceurs et des personnes
élégantes) ist eine ursprünglich im Kongo beheimatete Bewegung,
deren überwiegend männliche Protagonisten westliche Modemarken zur
distinguierenden Selbstdarstellung verwenden. Die verschlungenen Pfade globaler
Austauschprozesse und die widersprüchlichen Momente, die sich in Prozessen
der Aneignung und Übersetzung ergeben, fügt Eran Schaerf in ein
narratives Setting: Ein Hemd von Paul Smith wird zum krisenhaften Moment im
Leben eines Sapeurs. In Paris trifft der Sapeur auf das Hemd, das eine eigene
Geschichte der Migration hat. Es ist aus einer Kanga gefertigt, einem rechteckigen
Stück Stoff, das in Afrika in verschiedenen Funktionen als Kleidungsstück
verwendet wird.
fake or feint ist ein siebenmonatiges Ausstellungsprojekt
im Berlin Carré am Alexanderplatz.
Fünf aufeinanderfolgende Ausstellungsszenarien und ein Filmszenario im
Kino Arsenal am Potsdamer Platz handeln von der Politik der Oberfläche
und der Markierung als Intervention. International anerkannte Künstler
stellen hierzu Arbeiten aus, deren Spannweite von Fotografie, Video- und Rauminstallation
bis zur ortsspezifischen Intervention reicht. Eine von der Künstlerin
Katrin
Mayer gestaltete 'zweite Ebene‘ in den Ausstellungsräumen
stellt den Besuchern ein prozessuales Archiv mit ausgewählten Materialien
zur Verfügung. Eine Veranstaltungsreihe begleitet die Ausstellungen mit
Seminaren, Vorträgen, Performances und Künstlergesprächen.
fake or feint wird vom Hauptstadtkulturfonds gefördert.
Die weiteren Szenarien:
Szenario 2 (21. Februar bis 21. März 2009)
Kaucyila
Brooke, Sofie
Thorsen / Katharina Lampert
Szenario 3 (9., 16. und 23. März 2009)
Ein von Elena Zanichelli und Joerg Franzbecker kuratiertes
Filmprogramm im Kino Arsenal am Potsdamer Platz.
Szenario 4 (4. April bis 2. Mai 2009)
Amy
Granat, Annja
Krautgasser, Katrin
Mayer
Szenario 5 (16. Mai 2009 bis 13. Juni 2009)
Daniela
Comani, Keren
Cytter, Heiko
Karn
Szenario 6 (27. Juni bis 25. Juli 2009)
e-Xplo,
Daniel
Knorr, Eske
Schlüters/Axel Gaertner
Veranstaltungsprogramm mit Beiträgen von:
Martin Beck / Johannes Schülein, Elena Esposito, Tom Holert, Jan Kedves,
Hanne Loreck, Annette Maechtel, Performerstammtisch, Markus Rautzenberg, Tim
Stüttgen und Michael Zinganel.
Projektteam:
Joerg Franzbecker mit Martin Beck (Kuratoren), Adrian Bremenkamp
(Katalog und Archiv), Katrin Mayer (Raumkonzeption),
Flo Gaertner (Grafische Gestaltung), Elena Zanichelli (Filmprogramm),
Bärbel Hartje (Beratung).
Ausstellungsorte:
Einkaufszentrum Berlin Carré am Alexanderplatz, Karl-Liebknecht-Straße
13, Berlin
Filmprogramm: Kino Arsenal am Potsdamer Platz, Berlin
Öffnungszeiten:
Donnerstag + Freitag 16 bis 19 Uhr, Samstag 11 – 19 Uhr und nach Vereinbarung.
Weitere Informationen zum Veranstaltungsprogramm und den einzelnen Szenarien
erhalten Sie auf http://www.fakeorfeint.org oder vom Projektbüro.
Kontakt:
Joerg Franzbecker
Projektbüro fake or feint
Kniprodestraße 119
10407 Berlin / Germany
Fon +49/0/30 81610842
Cell+49/0/171 7484366
press@fakeorfeint.org
www.fakeorfeint.org