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Veranstaltungsreihe

02. Juli 2009
Johannes-Georg Schülein
, Im Erscheinen Verschwinden. Über Differenz und Gesten der Subversion aus philosophischer Sicht, Vortrag

Differenz – der Begriff gehört theoretisch sicher zu den abgenutztesten. Zugleich ist er aber derart allgemein, dass er als unverzichtbar gelten darf. Er lässt sich immer dort applizieren, wo etwas nicht einfach eins zu sein scheint, wo überkommene Identitäten in Frage stehen: Geschlecht, Gesellschaft, Lebenswirklichkeit, politische Aktion. Was – oder besser: Wie kann heute noch über und mit Differenz gedacht werden, nachdem dieser Ausdruck seit den ausgehenden 60er Jahren nicht nur inflationär gebraucht, sondern mit ihm gerade auch inflationär die Subversion beschworen wurde?
Ausgehend von dieser Frage entwickelt der Vortrag ein kleines Panorama philosophischen Differenzdenkens und ergreift am Ende Partei. Im Mittelpunkt steht eine Serie von Fragen, mit denen eine bestimmte Differenzauffassung eingekreist werden soll: Wie steht Differenz zu den populären Diskursen um Heterogenität, Mannigfaltigkeit, Alterität? Wie steht Differenz zu Idee und Praxis des Widerspruchs und der Opposition – theoretisch, politisch? Verkehrt sich eine andauernde Feier des Differenten letztlich nicht ungewollt in eine neoliberale, nihilistische Indifferenz? Und schließlich: Wann ist ein Denken der Differenz subversiv?
Nach einem Durchgang durch klassische Positionen zu Differenz wird der Vortrag sich insbesondere den Entwürfen von Gilles Deleuze und Jacques Derrida zuwenden und behaupten: Dann, wenn die Differenz aus dem Versteck agiert, sich selber nur zu erkennen gibt, indem es im eigenen Auftritt, seinem Erscheinen zugleich verschwindet, sich zurückzieht und ständig in der Schwebe hält.
Johannes-Georg Schülein promoviert in Jena und Berlin über Metaphysik und Kritik bei Hegel, Heidegger und Derrida.

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