Projekt | Szenarien | Veranstaltungen | Förderer | Information | 2. Ebene | english

Szenario 3 (9., 16. und 23. März 2009)

zurück

Das von Elena Zanichelli und Jörg Franzbecker kuratierte Filmprogramm erweitert den Ausstellungsrahmen durch eine Auswahl an Videoarbeiten, Spiel- und Kurzfilmen (1960 bis heute), die die Konstruiertheit von gesellschaftlich-historischen Markierungen visualisieren. Der Blick richtet sich auf Markierungen, wie sie durch taktisch eingesetzte Störmomente, Verfremdungen sowie narrative Brüche hervorgerufen werden können: durch den Einsatz von Off-Stimmen, durch Collagen aus vorgefundenem Bildmaterial, durch Diskrepanzen zwischen Ton und Bild. Die Beiträge zeigen u.a. die Unbestimmtheit im Begehren ihrer jeweiligen Charaktere (9.3.); sie spielen mit Irritationen und Täuschungsmanövern (16.3.); sie changieren zwischen jüngsten Praktiken des Reenactments von Szenen der Filmgeschichte einerseits und früheren Reaktionen auf den Illusionismus Hollywoods andererseits (23.3.).

In SAUTE MA VILLE [Chantal Akerman, Belgien 1968| 9.3.] wird die Küche mit ihren Gerätschaften für die Protagonistin, Akerman selbst, zum Ort einer obsessiven, aber offenbar ziellosen Aneignung mit resignativem Ausgang.

Ein Leberfleck über der Brust einer asiatischen Frau dient in SALLY’S BEAUTY SPOT [Helen Lee, Kanada 1990| 9.3.] als Ausgangspunkt einer Dekonstruktion des (kolonialistisch geprägten) Blickes auf die Schönheit asiatischer Frauen, wie er u.a. von Hollywoodfilmen wie The World of Suzy Wong (1960) inszeniert wurde.

Der polnische Animationsfilm RAZEM [Together, Krzysztof Janicki / Marek Baranski, Polen 1977| 9.3.] kann mit seiner reduzierten grafischen Darstellung von sich drollig bewegenden Richtungspfeilen als ein Kommentar gesellschaftspolitischer Abhängigkeiten und Prozesse gelesen werden.

AMATEUR [Hal Hartley, USA 1994| 9.3.] In dieser grotesken Kriminalgeschichte, in der sich u.a. eine Ex-Nonne (Isabelle Huppert) als Pornoschriftstellerin versucht, scheinen sämtliche Charaktere dazu bestimmt, auf der Suche nach einem neuen Leben ihr eigenes Begehren zu unterlaufen.

VORBASSE MARKET AND HORSEFAIR [Gitte Villesen, Dänemark1994| 16.3.] Bei einer spontanen Begegnung mit einem jungen Mann auf einem Jahrmarkt setzt Gitte Villesen die Videokamera nicht nur als Mittel zur Aufzeichnung, sondern auch als Filter und Beschleuniger eines Dialoges ein, der auf spielerische Weise Geschlechterdifferenz verhandelt.

In einer Montage von Ausschnitten aus einer amerikanischen TV-Gameshow führt Dara Birnbaum in KISS THE GIRLS: MAKE THEM CRY [Dara Birnbaum, USA 1979| 16.3.] Mechanismen medial hervorgebrachter Unterordnung sowie die damit einhergehende Verbreitung stereotyper Gesellschaftsbilder vor.

In dem Musikvideo QUIO: GROW TOGETHER, RISING TIDE [Christine Lang, D 2008| 16.3] treten zwei weibliche Gangs in einem HipHop-battle gegeneinander an, wobei geschlechtsspezifische Handlungsweisen auf den Kopf gestellt werden.
FLAT IS BEAUTIFUL [Sadie Benning, USA 1998| 16.3.] ist ein experimentalfilmischer Cartoon. Unter Einsatz von Masken, Animationen und Zeichnungen wird vom Befinden und der Orientierungssuche eines elfjährigen Mädchens in einer Kultur erzählt, die von eindeutigen Genderzuschreibungen besessen scheint.

Ins Zentrum von WIE GEWOHNT. EIN VERSATZSTÜCK [Eran Schaerf, Eva Meyer, D 1997| 16.3.] rückt die afrikanische Khanga – ein Kleidungsstück, das erotische sowie politische Botschaften tragen kann. Diese wird zum Ausgangspunkt einer Erzählung zu Sprache, Ausdruck und Eindeutigkeit.

AFTER THE REHEARSAL [Eske Schlüters, D 2008| 23.3.] zeigt die Schauspielerin Delphine Seyrig in Probenmitschnitten, die dem Making-of von Chantal Akermans Jeanne Dielman, 23 Quai du Commerce, 1080 Bruxelles (1975) entstammen. Zusammen mit isolierten Filmszenen bilden diese die Vorlage zu Betrachtungen über Formen des Einübens, die auf der Tonebene durch Versatzstücke theatertheoretischer Texte erweitert werden.

Ein Linienbus dient in LES EXCLUS [Elke Marhöfer, D 2006| 23.3.] als Setting dazu, die Sprache der Macht und die Ordnungsmechanismen der Alltagswelt zu reflektieren. Dabei werden Elemente von Robert Bressons Film Le diable probablement (1976) übernommen und Parallelen zu den Ereignissen in den Pariser Vorstädten von 2005 gezogen.

Der Animationsfilm TRANSMISSION ATTEMPTS [Florian Zeyfang, D 1998| 23.3.] setzt sich in skizzenhaften Bildern mit der Rolle von Film und Video als propagandistischem und politischem Medium auseinander. Gezielt eingesetzte Bildstörungen wirken dabei ebenso kommentierend wie distanzierend.

Stakkatoartig werden in LOOKING FOR MUSHROOMS [Bruce Conner, USA 1959-67| 23.3.] Szenen von Conners und Timothy Learys Pilzsuche in Mexiko mit Aufnahmen aus San Francisco kombiniert. Tomorrow never Knows von den Beatles untermalt das Ganze, bis hin zum finalen psychedelischen Farbenrausch.

FRAMED [MM Serra, USA 1985| 23.3.] ist einer Reihe von fünf Kurzfilmen der New Yorker Filmemacherin entnommen. In einem experimentellen Zugriff verbindet MM Serra Aufzeichnungen aus dem urbanen Raum mit verführerischen Spielfilmbildern.

AMY! [Laura Mulvey, Peter Wollen, 1980| 23.3.] Die waghalsige Pilotin Amy Johnson flog im Jahre 1930 in neunzehn Tagen allein von London nach Australien. Durch experimentelle Filmmontage wird Johnson zur symbolischen Figur, anhand derer Genderaspekten und Prozesse der Legendenbildung hinterfragt werden.

PASSING THE RAINBOW [Sandra Schäfer, Elfe Brandenburger, D 2008| 23.3.] zeigt Szenen aus dem Alltag von Filmschaffenden und Darstellerinnen in Afghanistan. Dabei sind es häufig inszenierte Szenen, die Handlungsräume an der Grenze von Realität und Fiktion eröffnen. In der Reflexion von Geschlechterverhältnissen funktioniert der Film dabei als Korrektiv eines westlichen Blicks. Im Anschluss an die Vorführung findet ein Gespräch mit den beiden Filmemacherinnen statt.

zurück