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Szenario 4 (04. April bis 03. Mai 2009)

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The W.Lee Prints #1-10 von Amy Granat ist eine Serie von Fotoarbeiten, in der die Oberfläche des Fotopapiers zum Schauplatz einer fragmentierten Medialität wird. Das Verkratzen des Bildträgers, der Einsatz von Säuren, Lichtkegeln und Überblendungen hat deutliche Spuren hinterlassen. Der teilweise destruktive Umgang mit den physischen Grundlagen des Bildübertragungsprozesses, wie Filmträger, Chemikalien und Licht dient hier der Erweiterung der Ausdrucksmöglichkeiten des Mediums Fotografie. In Bezug auf das verwendete Bildmaterial, das etwa aus abfotografierten Buchcovern, Textseiten und Arrangements von einfachen Gegenständen besteht, erscheinen die technischen Eingriffe aber zugleich als eine dissoziative Postproduktion. Die Künstlerin arbeitet dabei mit Anspielungen auf Literatur, Film und persönliche Erlebnisse, so verweist der Titel unter anderem auf die Hauptfigur von W.S. Burroughs ‚Naked Lunch‘. Im Zusammenhang der Serie ergibt sich so ein suggestives Narrativ, das mit dem Vermögen des Betrachters arbeitet, eigene Verbindungen herzustellen.

In ihrer Medieninstallation VOID.SEQZ5 arbeitet Annja Krautgasser mit einem speziellen Skript, das sie ursprünglich für audiovisuelle Performances entwickelt hat. Die Computeranimation zeigt eine anfangs weiße Fläche. Kurze schwarze Linien brechen von den Rändern ein, irren in einer zufallsgesteuerten Zick-Zack-Bewegung über die Projektionsfläche und bilden ein wachsendes Muster. In einem autogenerativen Prozess der Verdichtung und Überlagerung entsteht so eine abstrakte Grafik, die zum Ende für einige Sekunden still steht, bis der Prozess von neuem beginnt und ein ähnliches aber nie identisches Bild erzeugt. Eine parallele Tonspur des Komponisten Martin Siewert entfaltet einen atmosphärischen Soundteppich, der im Laufe des Bilderzeugungsvorgangs anschwillt.

Annja Krautgassers zehnteilige Serie VEGAS (Soundkomposition: Martin Siewert) setzt sich mit der Illusionsarchitektur der Unterhaltungsmetropole auseinander. Las Vegas ist das herausragende Beispiel eines Stadtbilds in dem die architektonische Form hinter einer von Zeichen besetzten Fassaden- und Oberflächenstruktur zurücktritt. Leuchtreklamen, die auf allgegenwärtige Unterhaltungsangebote (Casinos, Shows, Restaurants etc.) verweisen, dienen dabei nicht nur als Orientierungspunkte für Konsumentscheidungen. Sie sind zugleich Elemente eines spektakulären Zeichenensembles, das den Aspekt der Zerstreuung bereits auf der Ebene des Stadtraums visuell in Szene setzt, und ihren überwältigenden Effekt gerade aus der Reizüberflutung des Betrachters zieht. Die Arbeit entnimmt derartige Leuchtanimationen ihrem Kontext und überträgt sie in eine abstrahierte analytische Anordnung. Eine Matrix aus Lichtpunkten, die an Pixel oder Glühbirnen erinnern, dient dazu, animierte Pfeile, pulsierende Muster, Piktogramme, Buchstabenketten und Bewegungsabläufe in Einzelstudien zu untersuchen. Die Arbeit geht dabei Formen der Aufmerksamkeitssteuerung und Informationsvermittlung ebenso nach, wie der Verzahnung von technisch erzeugter Illusion und Wahrnehmungsprozessen.

Katrin Mayers eigens für fake or feint entstandene Rauminstallation befasst sich mit Club-Kultur und räumlichen wie zeitlichen Ordnungsmustern im Zusammenhang von sozialen Ritualen, Architektur und Musik. Dabei stellt sie Bezüge zwischen Ausstellungsort und unmittelbarer Umgebung her und spielt mit der Bezeichnung ‚Berlin Carré‘, dem heutigen Namen der in den 1960er Jahren in Plattenbauweise neu erbauten ‚Markthalle‘. Aus einzelnen Zwischenräumen der Deckenplatten des Ausstellungsraums lässt sie Tapetenbahnen herabhängen und setzt deren quadrierte Struktur somit dreidimensional im Raum fort. Diese temporäre Auffächerung der Architektur bildet zugleich Displayflächen für Bildmaterial aus Handy-Videos des Internet-Portals YouTube, die in Clubs wie dem gegenüber am Alexanderplatz gelegenen „Weekend“ aufgezeichnet wurden und Prozessen von Mythenbildung eine neue visuelle Ebene verleihen: „Hörensagen“ wird zu „Sehenzeigen“. Subjektive, diffus-pixelige live-Mitnahmen transportieren Eindrücke von temporärer Flucht, einer Ökonomie von Exzess und Formen unproduktiver Verausgabung. In einer Fläche aus silbernen Glitterplättchen auf dem Fliesenboden materialisiert sich das Imaginarium von Glamour, Überschuss und Illusion und trägt in den Raum eine lose Glanzschicht ein, die - vergleichbar der Fragilität und dem Vergilben der Papierbahnen - auf das momenthafte, sich nicht manifestierende Mäandern von Beats, Clubs und den entsprechenden Bildpraktiken anspielt.

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