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Szenario 5 (16. Mai 2009 bis 13. Juni 2009)

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Die Fotos von Daniela Comanis Serie Eine glückliche Ehe zeigen ein Paar in alltäglichen Situationen des Zusammenlebens und gemeinsamer Freizeitgestaltung: Strandspaziergang, Zähneputzen, Motorschaden, Einkaufen im Supermarkt. Erst auf den zweiten Blick wird deutlich, daß es dieselbe Person (nämlich die Künstlerin selbst) ist, die beide Figuren verkörpert.
In ihrer Visualisierung des „Kunstprodukts 'heterosexuelle Paarbeziehung‘“ (Hanne Loreck) thematisiert Daniela Comani die ungebrochene Wirksamkeit der Klischeevorstellung vom harmonischen Zusammenpassen der Geschlechter mit verteilten Rollen. Neben der technischen Postproduktion, die zwei Bilder zu einem zusammensetzt, ist es vor allem die performative Hervorbringung des jeweils als 'männlich' bzw. 'weiblich' wahrgenommenen Charakters, die mit sparsamsten Mitteln operieren kann: Durch die unterschiedliche Kombination von Kleidungsstücken aus der persönlichen Garderobe der Künstlerin, sowie einen aufgeklebten Dreitagebart, entsteht eine (minimale) Abweichung im Erscheinungsbild. Gesten, Körperhaltungen sowie vereinzelte Requisiten reproduzieren klischeehafte Zuschreibungen wie „Verreisen, Auto, Erklärung – männliche Domaine; Zuhören, Kommunizieren, Geführt-Werden, Hingabe – weibliche Eigenschaften“ (Hanne Loreck) und vervollständigen so eine erstaunlich wirksame Illusion.
Die seit 2003 kontinuierlich fortgesetzte Serie lässt sich als folgerichtiger Umgang mit der Wiederholungsstruktur auffassen, die derartige Vorstellungen mit jeder erneuten Einschreibung stereotyper visueller Daten bestätigt und stabilisiert. In einem neu entstandenen Bild arbeitet Daniela Comani mit einem Bezug zu ihrer jüngsten Arbeit Neuerscheinungen.

Keren Cytters knapp fünfminütiger Film Der Spiegel konfrontiert den Betrachter mit dem nackten Körper einer Frau um die 40. In Form eines gesprochenen Bewußtseinsstroms artikuliert sie ihre Sehnsucht nach einem jungen Körper und einem Mann, der sie vor ihrer Einsamkeit retten soll. Ein Chor von drei weiteren Frauen kommentiert und moderiert das Geschehen. Er vertritt die „Masse“, die „stolz und verspielt“ ebenso wie unerbittlich ist. Mit dem Eintreffen zweier Männer spitzt sich das Geschehen dramatisch zu.
Die theatral verdichtete Situation findet in einem einzigen, fast leeren Raum statt; sie wird von einer sich ständig bewegenden Handkamera in einer einzigen Einstellung festgehalten. Kamera und Spiegel, Blicke und Kommentare der Anderen treten als Instanzen auf, die die Protagonistin mit der Realität ihres alternden Körpers konfrontieren und immer wieder das Auseinanderfallen von Selbst- und Fremdwahrnehmung deutlich machen. Das Verhältnis des Individuums zu seiner sozialen Umgebung wird als ständiges Kollabieren in Szene gesetzt. Der Film lotet dabei die Ausdrucksmöglichkeiten verbaler, visueller und theatraler Sprachen aus.

In Heiko Karns Rauminstallation Separate Together verschiebt sich die Perspektive von der sozialen Interaktion durch Blicke, Gesten und Sprache auf das Mobiliar, welches diese Verhältnisse ordnet und strukturiert.
Funktionsmöbel wie Rednerpulte, Podeste und Vorhänge erzeugen bestimmte Sprecherpositionen und Blickperspektiven und definieren so einen gesellschaftlichen und politischen Raum der Interaktion. Lamellenvorhänge beispielsweise stehen für ökonomische Aktivität/Verwaltung und die Abwehr von Blicken und Gefahren. Ein Rednerpult ordnet seinerseits das Verhältnis von Sender und Empfänger, indem es Zuschreibungen von Autorität und Zuhören, Überblicken und Angeblicktwerden materiell realisiert.
In Heiko Karns Installation wirken solche funktionalen Eigenschaften des Mobiliars als Platzhalter für soziale und politische Szenarios, sie bleiben jedoch in Bezug auf konkrete Verwendungen offen und unbestimmt: als frei von der Decke hängende Vorhang-Elemente, als Sockel oder Podest, dessen Inneres einsehbar ist und dessen abgenommene Oberfläche einem hybriden Mischobjekt aus Rednerpult und Wahlkabine unterlegt ist.

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