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Die Fotos von Daniela Comanis
Serie Eine glückliche Ehe zeigen ein Paar in alltäglichen
Situationen des Zusammenlebens und gemeinsamer Freizeitgestaltung: Strandspaziergang,
Zähneputzen, Motorschaden, Einkaufen im Supermarkt. Erst auf den zweiten
Blick wird deutlich, daß es dieselbe Person (nämlich die Künstlerin
selbst) ist, die beide Figuren verkörpert.
In ihrer Visualisierung des „Kunstprodukts 'heterosexuelle Paarbeziehung‘“
(Hanne Loreck) thematisiert Daniela Comani die ungebrochene Wirksamkeit der
Klischeevorstellung vom harmonischen Zusammenpassen der Geschlechter mit verteilten
Rollen. Neben der technischen Postproduktion, die zwei Bilder zu einem zusammensetzt,
ist es vor allem die performative Hervorbringung des jeweils als 'männlich'
bzw. 'weiblich' wahrgenommenen Charakters, die mit sparsamsten Mitteln operieren
kann: Durch die unterschiedliche Kombination von Kleidungsstücken aus
der persönlichen Garderobe der Künstlerin, sowie einen aufgeklebten
Dreitagebart, entsteht eine (minimale) Abweichung im Erscheinungsbild. Gesten,
Körperhaltungen sowie vereinzelte Requisiten reproduzieren klischeehafte
Zuschreibungen wie „Verreisen, Auto, Erklärung – männliche
Domaine; Zuhören, Kommunizieren, Geführt-Werden, Hingabe –
weibliche Eigenschaften“ (Hanne Loreck) und vervollständigen so
eine erstaunlich wirksame Illusion.
Die seit 2003 kontinuierlich fortgesetzte Serie lässt sich als folgerichtiger
Umgang mit der Wiederholungsstruktur auffassen, die derartige Vorstellungen
mit jeder erneuten Einschreibung stereotyper visueller Daten bestätigt
und stabilisiert. In einem neu entstandenen Bild arbeitet Daniela Comani mit
einem Bezug zu ihrer jüngsten Arbeit Neuerscheinungen.
Keren Cytters knapp fünfminütiger
Film Der Spiegel konfrontiert den Betrachter mit dem nackten Körper
einer Frau um die 40. In Form eines gesprochenen Bewußtseinsstroms artikuliert
sie ihre Sehnsucht nach einem jungen Körper und einem Mann, der sie vor
ihrer Einsamkeit retten soll. Ein Chor von drei weiteren Frauen kommentiert
und moderiert das Geschehen. Er vertritt die „Masse“, die „stolz
und verspielt“ ebenso wie unerbittlich ist. Mit dem Eintreffen zweier
Männer spitzt sich das Geschehen dramatisch zu.
Die theatral verdichtete Situation findet in einem einzigen, fast leeren Raum
statt; sie wird von einer sich ständig bewegenden Handkamera in einer
einzigen Einstellung festgehalten. Kamera und Spiegel, Blicke und Kommentare
der Anderen treten als Instanzen auf, die die Protagonistin mit der Realität
ihres alternden Körpers konfrontieren und immer wieder das Auseinanderfallen
von Selbst- und Fremdwahrnehmung deutlich machen. Das Verhältnis des
Individuums zu seiner sozialen Umgebung wird als ständiges Kollabieren
in Szene gesetzt. Der Film lotet dabei die Ausdrucksmöglichkeiten verbaler,
visueller und theatraler Sprachen aus.
In Heiko Karns Rauminstallation
Separate Together verschiebt sich die Perspektive von der sozialen
Interaktion durch Blicke, Gesten und Sprache auf das Mobiliar, welches diese
Verhältnisse ordnet und strukturiert.
Funktionsmöbel wie Rednerpulte, Podeste und Vorhänge erzeugen bestimmte
Sprecherpositionen und Blickperspektiven und definieren so einen gesellschaftlichen
und politischen Raum der Interaktion. Lamellenvorhänge beispielsweise
stehen für ökonomische Aktivität/Verwaltung und die Abwehr
von Blicken und Gefahren. Ein Rednerpult ordnet seinerseits das Verhältnis
von Sender und Empfänger, indem es Zuschreibungen von Autorität
und Zuhören, Überblicken und Angeblicktwerden materiell realisiert.
In Heiko Karns Installation wirken solche funktionalen Eigenschaften des Mobiliars
als Platzhalter für soziale und politische Szenarios, sie bleiben jedoch
in Bezug auf konkrete Verwendungen offen und unbestimmt: als frei von der
Decke hängende Vorhang-Elemente, als Sockel oder Podest, dessen Inneres
einsehbar ist und dessen abgenommene Oberfläche einem hybriden Mischobjekt
aus Rednerpult und Wahlkabine unterlegt ist.